Bei Immobilienverkäufen werden gelegentlich sogenannte offene Besichtigungen („Open House“) durchgeführt. Dabei haben mehrere Interessenten innerhalb eines festgelegten Zeitfensters die Möglichkeit, eine Immobilie zu besichtigen. Anders als bei den zumeist üblichen Einzelterminen kommen Kaufinteressenten also nicht nacheinander, sondern an einem gemeinsamen Termin.
Für Verkäufer kann eine offene Besichtigung einige Vorteile haben. Mehrere Interessenten besichtigen die Immobilie innerhalb eines gemeinsamen Termins, wodurch sich der Besichtigungsaufwand deutlich bündeln lässt. Gleichzeitig können auch Interessenten, die sich zunächst nur einen ersten Eindruck verschaffen möchten oder keine konkrete Kaufabsicht haben, die Immobilie besichtigen, ohne dabei wertvolle Zeit zu beanspruchen.
Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass Nachfrage sichtbar wird. Wenn mehrere Kaufinteressenten gleichzeitig vor Ort sind, erkennen Interessenten, dass auch andere Käufer ernsthaftes Interesse haben. Diese Wettbewerbssituation kann Entscheidungsprozesse beschleunigen und sich im Einzelfall auch positiv auf den erzielbaren Verkaufspreis auswirken.
Gerade bei vermieteten Immobilien spielt zudem die Rücksicht auf die Bewohner eine wichtige Rolle. Als Verkäufer können Sie die Zeit der Mieter nicht unbegrenzt in Anspruch nehmen. Auch hier können gebündelte Besichtigungstermine sinnvoll sein. Gleichzeitig sollte im Vorfeld geprüft werden, wie ernsthaft das Interesse der Kaufinteressenten tatsächlich ist. Es ist nicht immer Aufgabe des Verkäufers, potenziellen Käufern lediglich ein Gefühl für den Markt zu vermitteln. Der Schutz und die Rücksichtnahme gegenüber dem Mieter sollten ebenfalls berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob die genaue Adresse der Immobilie bereits im Inserat veröffentlicht wird. Bei bezugsfreien Wohnungen kann dies sinnvoll sein, während bei vermieteten Immobilien häufig der Schutz der Mieter im Vordergrund stehen sollte.
Dennoch eignet sich eine offene Besichtigung nicht für jede Immobilie. Ob dieses Vorgehen sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Art der Immobilie, der Zielgruppe und der aktuellen Marktsituation ab. Während bei stark nachgefragten Wohnimmobilien ein gebündelter Besichtigungstermin Zeit spart, mehr Interessenten in kürzerer Zeit erreicht und den Verkaufsprozess beschleunigen kann, sind bei hochpreisigen oder besonders erklärungsbedürftigen Immobilien individuelle Besichtigungen in der Praxis meist unverzichtbar.
Entwickelt sich bei Interessenten nach einer offenen Besichtigung ein konkretes Kaufinteresse, müssen selbstverständlich auch weitere Einzeltermine möglich sein. So kann die Immobilie bei Bedarf noch einmal gemeinsam mit einem Sachverständigen geprüft werden.