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Mein Leben im Überfluss

Mein Leben im Überfluss

Ich habe ein schlechtes Gewissen. Denn ich lebe in unangebrachter Würde, im unnützen Überfluss.

Ich gehöre zu diesen Leuten, die nicht in einer kleinen Box wohnen. Nicht wollen. Nicht müssen. Und auch noch ohne Miete. Ich habe sogar Möbel. In allen Zimmern.

Wie komme ich darauf? Eine Leserzuschrift in einer Tageszeitung hat mich aufgerüttelt:

Brauchen wir wirklich Wohnungen mit über 50 Quadratmetern für eine Person? Oder Häuser mit über 100 Quadratmetern für eine Familie? Man bräuchte ja nur eine Küche, ein Bad, ein Bett, einen Tisch für tagsüber. Ein Luxus wäre ein Wohnzimmer mit einer Couch. Alles andere ist moralisch nicht vertretbar, wenn man sich kaum darin aufhält.

Irgendwie hat die gute Frau, die den Artikel schrieb, recht. Ich bin kaum zu Hause, keine Zeit für die Couch. Ich arbeite und finanziere damit mein nonkonformistisches Dasein. Ich bin ein Rebell, ja ein Anarchist.

Die Diskussion über Wohnraum ist wichtig. Umverteilung löst nicht den Mangel. Es wird zu wenig gebaut. Luxuswohnungen sind wichtig. Würden diese verboten, bekämen die günstigen Wohnungen zuerst die Besserverdienenden. Das hilft keinem Mietsuchenden am unteren Ende der Preisskala. Der Berliner Mietendeckel war hierfür ein unreflektierter Praxistest.

Quadratmeter sind keine Frage der Gesinnung. Ich will mein Sofa nicht verkaufen müssen. Ich will nicht dazugehören.